Zur Einstimmung auf die Thematik wurde im Vorfeld der Tagung im Rahmen des AStA-Kinos ein Film des bolivianischen Regisseurs Jorge Sanjinés gezeigt.

10.11.2005, 19:00 Uhr Hörsaal A1, Hörsaalgebäude
„La nación clandestina” - Die geheime Nation (Bolivien 1989)

"La nacion clandestina" heisst übersetzt "Die verborgene Nation". Der bolivianische Filmemacher, der zu den bedeutendsten des Kontinents zählt, tönt damit an, dass es in einem Land wie Bolivien, dessen gesellschaftliches und politisches Leben seit Jahrhunderten von den Nachfahren spanischer Eroberer und deren Kultur geprägt wird, noch immer eine starke innere "Nation" gibt, jene der Aymara-Indios. Sie wurden zwar unter die Gesetze, die Religion und die wirtschaftliche Ausbeutung der Eroberer genommen, haben aber die Jahrhunderte dank ihrer widerstandsfähigen eigenen Kultur erstaunlich gut überstanden.


Sanjines stellt ihre Welt in den Mittelpunkt und gestaltet ein subtil gewobenes Bild, in dem Zeit und Raum sich zugunsten der inneren Beziehungen auflösen.
Das bedingt eine Offenheit im Wahrnehmen, denn der Filmer bewegt sich frei zwischen Mythen und Realität, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, entsprechend der Indio-Kultur, in der die Grenzen der Zeit fliessend sind, der Zeitbegriff ein räumlicher ist. Das heisst, dass wir Handlung nicht in einem chronologischen Verlauf zu sehen bekommen, das Geschehen vielmehr über Bewegungen dargestellt ist. Sebastian, die Hauptfigur des Filmes, vom Dorf einst des Diebstahls beschuldigt und verstossen, findet in der Stadt sein Glück nicht. Er wechselt den Namen, tauscht den Poncho gegen Jeans ein, verdient sich mit eigenartigen Aufträgen seinen Lebensunterhalt und landet heimatlos im Alkohol. Er will heimkehren, um in einem alten Aymara-Tanzritual zu sterben, sich und seine Ehre wieder finden.
(Walter Ruggle / trigon-Film)

Einführung zur aktuellen Situation in Bolivien mit einem 8-minütigen Dokumentarfilm vom Oktoberaufstand 2003. Außerdem wird Oscar Chanez (Vertreter für Europa der bolivianischen Bauerngewerkschaften und Sprecher der Versammlung für die Souveränität der Völker), der den Regisseur Jorge Sanjinés persönlich kennt, interessante Einblicke in das indigene Denken und Weltbild sowie die hinter dem Film stehende Botschaft geben.