Sanjines stellt ihre Welt in den Mittelpunkt und gestaltet ein
subtil gewobenes Bild, in dem Zeit und Raum sich zugunsten der
inneren Beziehungen auflösen.
Das bedingt eine Offenheit im Wahrnehmen, denn der Filmer bewegt
sich frei zwischen Mythen und Realität, zwischen Vergangenheit
und Gegenwart, entsprechend der Indio-Kultur, in der die Grenzen
der Zeit fliessend sind, der Zeitbegriff ein räumlicher ist.
Das heisst, dass wir Handlung nicht in einem chronologischen Verlauf
zu sehen bekommen, das Geschehen vielmehr über Bewegungen
dargestellt ist. Sebastian, die Hauptfigur des Filmes, vom Dorf
einst des Diebstahls beschuldigt und verstossen, findet in der
Stadt sein Glück nicht. Er wechselt den Namen, tauscht den
Poncho gegen Jeans ein, verdient sich mit eigenartigen Aufträgen
seinen Lebensunterhalt und landet heimatlos im Alkohol. Er will
heimkehren, um in einem alten Aymara-Tanzritual zu sterben, sich
und seine Ehre wieder finden.
(
Walter Ruggle / trigon-Film)
Einführung zur aktuellen Situation in Bolivien mit einem
8-minütigen Dokumentarfilm vom Oktoberaufstand 2003. Außerdem
wird Oscar
Chanez (Vertreter für Europa der bolivianischen
Bauerngewerkschaften und Sprecher der Versammlung für die
Souveränität der Völker), der den Regisseur Jorge
Sanjinés persönlich kennt, interessante Einblicke
in das indigene Denken und Weltbild sowie die hinter dem Film
stehende Botschaft geben.